Kaum eine Frage fällt häufiger als diese: Ist Vastu dasselbe wie Feng
Shui? Die kurze Antwort: Sie sind Verwandte, keine Zwillinge. Beide Lehren
ordnen den gebauten Raum, beide arbeiten mit Himmelsrichtungen und
Elementen, beide zielen auf das Wohl der Bewohner. Aber sie stammen aus
verschiedenen Kulturen und denken verschieden.
Vastu kommt aus Indien, wurzelt in den Veden und ist
zuerst eine Bau-Lehre: Sie greift beim Entwurf, beim Grundriss, bei der
Ausrichtung des Hauses. Ihr Raster — das Mandala — liegt fest; die
Zuordnung der Richtungen ist stabil und gilt für jedes Gebäude. Vastu
entfaltet seine größte Wirkung deshalb beim Neubau oder Umbau.
Feng Shui kommt aus China und ist stärker eine
Einrichtungs- und Deutungs-Lehre: Es arbeitet mit dem fließenden
Qi, mit Kompass-Schulen und zeitabhängigen Einflüssen, die sich mit den
Jahren ändern. Feng Shui wird darum oft nachträglich angewendet — auf
bestehende Räume, Möblierung, Farben.
Für die Praxis heißt das: Wer baut oder umbaut, findet im Vastu das
strengere, architektonischere Werkzeug. Beide Lehren schließen sich nicht
aus — aber sie sollten nicht vermischt werden, als wären ihre Begriffe
austauschbar.