Das Vastu-Purusha-Mandala ist das Herzstück der Lehre: ein quadratisches
Diagramm, meist in 9 × 9 = 81 Felder geteilt, das dem Grundriss als Ordnung
unterlegt wird. Der Überlieferung nach liegt in ihm der Purusha, der
kosmische Urmensch — Kopf im Nordosten, Füße im Südwesten. Jedes Feld trägt
eine Qualität, die den dort liegenden Räumen ihre Aufgabe zuweist.
Architektonisch gelesen leistet das Mandala drei Dinge. Erstens
gibt es dem Grundriss eine Proportion: das Quadrat als ruhige, gerichtete
Grundform. Zweitens verteilt es die Nutzungen nach den
Himmelsrichtungen — schwere, ruhige Räume nach Südwesten, offene und helle
nach Nordosten. Drittens schützt es die Mitte: Das
Brahmasthan, die zentralen 3 × 3 Felder, bleibt unbebaut und
unverstellt — kein tragender Pfeiler, keine Treppe, kein Bad. In modernen
Häusern wird daraus ein Luftraum, ein Innenhof oder schlicht die offene
Halle, um die sich alles ordnet.
Für den Entwurf ist das Mandala kein starres Gesetz, sondern ein
Prüfraster: Es macht sichtbar, wo ein Grundriss dicht und wo er offen ist,
wo er trägt und wo er atmet.